Die Ursprünge des Earl Grey Tees sind geheimnisvoll und es gibt mehrere spannende Geschichten, die sich um seine Entstehung ranken. In diesem Artikel befassen wir uns mit verschiedenen Theorien rund um den Earl Grey Tee und der Rolle, die der Earl Grey selbst bei der Erfindung dieses berühmten Tees gespielt hat.
Die 1. Legende: Das Geschenk des Mandarins
Eine der beliebtesten Geschichten über den Tee besagt, dass einer der Gesandten von Premierminister Charles Grey während einer diplomatischen Mission in China den Sohn eines chinesischen Mandarins heldenhaft vor dem Ertrinken gerettet hat. Als Zeichen seiner Dankbarkeit beauftragte der Mandarin einen chinesischen Teemeister, einen besonderen Tee für den Premierminister Charles Grey, 2. Earl Grey zu kreieren.
Das Geschenk nachahmen
Es gibt weitere Erzählungen über den Earl Grey-Tees, die berichten, dass Earl Grey die Firma Twinings in London damit beauftragte, den Tee nachzumachen und ihn dann nach ihm selbst zu benennen. Hintergrund dieser Geschichte ist, dass Lady Grey den Tee bei der Bewirtung von Gästen in London servierte. Die Damen in ihrem Umfeld schätzten den Tee sehr und baten ihren Gatten, den Tee in größeren Mengen verfügbar zu machen.
Als der Premierminister Earl Grey Twinings mit der Herstellung des Tees beauftrage, war das Ziel einen Tee zu produzieren, der den Kalkgeschmack des Wassers auf dem Grey-Familiensitz in Northumberland, Howick Hall, abmildern sollte. Da die Wasserqualität für den Geschmack eines Tees von so großer Bedeutung ist, erscheint diese Version der Geschichte sehr wahrscheinlich.
Eine weitere Variante der Geschichte besagt, dass Earl Grey den Tee als diplomatisches Geschenk erhielt, um sich für seine Dienste bei der Lösung einer schwierigen Handelsvereinbarung zu bedanken. Da die Briten zu dieser Zeit jährlich über 1.000 Tonnen Opium nach China schmuggelten und es keine Aufzeichnungen über einen Besuch von Premierminister Grey in China gibt, erscheint diese Geschichte eher unwahrscheinlich.
Die 2 Legende: Die stürmische Überfahrt
Eine besonders romantische Erzählung berichtet von der schwierigen Reise eines Teeklippers von China nach London. Der Legende nach geriet ein Schiff, das schwarzen Tee und Bergamottefrüchte geladen hatte, in eine stürmische See. Die rauen Bedingungen führten dazu, dass sich die Ladung verschob und der Tee den Geschmack des Bergamotteöls annahm. Bei der Ankunft in England stellte man fest, dass der Tee ein einzigartiges, duftendes Aroma und einen Geschmack angenommen hatte, der überraschend gut ankam. Diese zufällige Mischung soll den Anstoß für die Kreation des Earl Grey Tees gegeben haben, wie wir ihn heute kennen. Da es allerdings keine Belege dafür gibt, dass die Bergamotte zu dieser Zeit in China wuchs (95 % der weltweiten Bergamotte stammt aus der Spitze Kalabriens in Italien), erscheint diese Geschichte höchst unwahrscheinlich.
Die 3. Legende: Earl Grey kommt aus Indien
Zwar könnte man argumentieren, dass die Britische Ostindien-Kompanie den Grundstein für die heutige Teeindustrie in Indien gelegt hat, doch die Behauptung, dass der Earl Grey-Tee während der britischen Kolonialherrschaft in Indien entstanden ist, beruht nicht auf Tatsachen. Es könnte sich so zugetragen haben, dass ein indischer Maharadscha einen Tee mit Bergamottengeschmack an hochrangige Mitglieder des britischen Raj übergab, da es für britische Beamte und Aristokraten üblich war, Geschenke von lokalen Herrschern zu erhalten. Die exotische Mischung mit dem unverwechselbaren Zitrusaroma wurde bei der britischen Elite in Indien schnell beliebt.
Die wahre Geschichte: Die Rolle der Firma Twinings
Auch wenn die genauen Einzelheiten der Ursprünge des Earl Grey Tees vielleicht nie bekannt werden, so spielte „Twinings of London“ zweifellos eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Verbreitung des Tees. Es ist durchaus plausibel, dass ein Tee kreiert wurde, der dem Geschmack von kalkhaltigem Wasser entgegenwirken sollte. Twinings war das erste Unternehmen, das Earl Grey-Tee anbot und im frühen 19. Jahrhundert von der Nachfrage nach Teemischungen und aromatisierten Tees stark profitierte, den Namen jedoch nie als Marke geschützt hat. So wie die Namensgebung von Tees nach Mitgliedern der königlichen Familie heute eine besondere Anziehungskraft erzeugt, hat die Benennung nach dem Premierminister Earl Grey dem Earl Grey Tee einen Hauch von Raffinesse und aristokratischer Attraktivität verliehen – ein Beispiel für eine frühe, erfolgreiche Markenbildung und Marketingstrategie.